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Roeder, Emy

1890-1908
Am 30.1.1890 wurde Emilie Julie, genannt Emi oder Emy, als drittes Kind von Sophie und Carl Roeder in Würzburg geboren. Emys Eltern stammten aus bekannten Kaufmannsfamilien.

1908-11
Nach dem Besuch der "Höheren Töchterschule" in Würzburg begann Emy Roeder gegen 1908 ihre Studien in der Zeichen- und Bildhauerklasse des Polytechnischen Zentralvereins in Würzburg. Ihr Lehrer war der Stein- und Holzbildhauer Arthur Schleglmüning (1963-1956). Einer ihrer Mitstudenten war der ein Jahr ältere Bildhauer Fried Heuler (1889-1959), der eine Büste des von Emy Roeder verehrten ersten Lehrers schuf.

1911-13
Kurz nach dem frühen Tod ihres Vaters ging Emy Roeder nach München. Von 1911 bis 1912 war sie Schülerin bei dem Bildhauer Hans Schwegerle. Die frühesten überlieferten Schülerarbeiten von Emy Roeder sind Plaketten und Medaillen, darunter die frühen von Ludwig Schmidt von 1912 und ihrer Schwester Maria von 1913. Während Emy Roeders Studienjahre in München hielten sich u.a. auch ihr späterer Ehemann, der Bildhauer Herbert Garbe, dort auf.

1912/1913
wurde Emy Roeder die Schülerin des Bildhauers Bernhard Hoetger und ließ sich in Darmstadt nieder. Mit ausschlaggebend für diesen Wechsel waren nach ihren Worten Hoetgers Plastiken -die Frau auf dem Schwan- (Eva auf dem Schwan, 1907, Bronze) und die "Köpfe" im Elberfelder Museum, die sie wahrscheinlich in München gesehen hatte. Als Roeder seine Schülerin wurde, war Hoetger Professor am Darmstädter Hof und Mitglied der Künstlerkolonie Darmstadt. 1912 setzte Hoetger-begleitet 1913 von Emy Roeder- seine Arbeiten für den Platanenhain in Fischerhude fort. In diesem kleinen Ort nahe der Künstlerkolonie Worpswede, wo Paula Modersohn-Becker gelebt und gearbeitet hatte, unterhielt er drei Ateliers bis er sich 1914 in Worpswede ein eigenes Atelierhaus errichtete. In Fischerhude stand auch das Elternhaus von einer weiteren Schülerin Hoetgers, Amelie Breling (1876-1966). Die Bildhauerin, die zuvor bei Aristide Maillol in Paris studiert hatte, war die Tochter des Malers Heinrich Breling, verschwägert mit Otto Modersohn und Jan Bontjes van Beek. Zusammen mit Amelie Breling formte Emy Roeder in Brelings Atelier und zwei weiteren Werkstätten u.a. die Reliefs für den Platanenhain mit aus. 1913/1914 nach Fertigstellung und Eröffnung des Platanenhains entstanden weitere Bildnisse und Bildnisbüsten, so die verschollene Mädchenbüste von 1914, die noch den unmittelbaren Einfluss von Hoetgers Plastik Jugend (Darmstädter Torso) zeigt. Diese Plastik kam bereits vor Hoetgers Berufung als Geschenk von August von der Heydt in den Besitz des Großherzogs von Hessen. Ausgestellt war sie im Repräsentationssaal im Neuen Palais in Darmstadt, wo Emy Roeder sie sicherlich gesehen hatte. Hoetger wurde für Roeder ihr „technischer Lehrmeister“. Bei ihm arbeitete mit Ton und Terrakotta sowie mit Kunst- und Kalkstein. Während ihrer Studienzeit bei Hoetger fand sie zu blockartigen, reduzierten Formen, die – unter Verzicht auf Details – einen überindividuellen Ausdruck zeigen. Wie ihre Lehrer, so nahm auch seine Schülerin beispielsweise in der Weihnachtskrippe Einflüsse der ägyptischen und afrikanischen Kunst auf.

1914-18
1914 bzw. 1915 zog es Emy Roeder nach Berlin. Nachdem sie zunächst ihre Studien in Paris fortsetzen wollte, führten Hoetger und ihre Mitgliedschaft in der „Freien Secession“ in das Kunstzentrum Deutschlands. Bis 1918 kehrte sie jedoch immer wieder für einige Monate in ihr Elternhaus zurück.

1918-20
1918 wurde sie Mitglied der „Berliner Secession“ und der „Freien Secession“, der u.a. die Maler der ehemaligen Künstlergruppe „Brücke“ und im Bereich der Plastik Ernst Barlach, August Gaul und Gerhard Marcks angehörten. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schloss sie sich der revolutionären „Novembergruppe“ an. Diese Künstlergruppe gründete sich am 3. Dezember 1918 auf Initiative von Max Pechstein, Georg Tappert, Heinrich Richter-Berlin und Moris Melzer als „Vereinigung der radikalen bildenden Künstler“. Im November 1919 war Emy Roeder mit Herbert Garbe in der ersten Ausstellung der Gruppe vertreten. Bis 1929 blieb sie Mitglied dieser Gruppierung, die sich nach dem Abrücken von ihren radikalen Zielen und Satzungen vorrangig zu einer Ausstellungs- und Arbeitsgemeinschaft und zum „Zentrum der Avantgarde in Berlin“ entwickelte. Neben Emy Roeder und Herbert Garbe waren Rudolf Belling, Oswald Herzog, Otto Freundlich, Bernhard Hoetger, Joachim Karsch, Georg Leschnitzer, Gerhard Marcks, Ewald Matare`, Milly Steger und William Wauer Mitglieder im Bereich der Bildhauerei. Unter dem Einfluss der „Novembergruppe“ vollzog sich ein stilistischer Wandel in Roeders Werk. Bildnisbüsten und Torsi traten zugunsten bewegter, expressiver Figuren zurück. Im Winter 1918/1919 zog sich Emy Roeder für ein Jahr in das Elternhaus von Amelie Breling nach Fischerhude zurück. In dem norddeutschen Dorf entstand die Terrakottaplastik "Frau aus dem Moor (1918). Die in Berlin entstandenen beiden Bronzen Stute und Fohlen sind neben dem verschollenen Stockgriff des Pelikans und dem Plafondentwurf mit Pferden (1919) für ein Berliner Privathaus die frühesten Tierplastiken. 1919 lernte sie Erich Heckel kennen. Am 20. Januar 1919 heirateten Emy Roeder und der zwei Jahre ältere, 1888 in Berlin geborene Bildhauer Herbert Garbe in Berlin-Schöneberg. Garbe war mit Roeders Lehrer, Bernhard Hoetger, gut bekannt. Emy Roeder, die von 1919 bis 1921 noch in Schöneberg gemeldet war, zog danach in Garbes Atelierwohnung in Berlin-Schöneberg, wo beide 1928 eine Bildhauerschule eröffneten.

1920-24
1920 Nach ersten erfolgreichen Ausstellungen setzte Emy Roeder 1920 ihre Studien im Meisteratelier von Hugo Lederer an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin fort und beendete sie gleichsam mit einem akademischen Abschluss. 1925 beendete sie ihre Studien. In das Meisteratelier Lederer folgte dann als neuer Schüler der Bildhauer Hans Mettel. 1921 stellte das Ehepaar Garbe-Roeder erstmals gemeinsam im Kabinett Zingler in Frankfurt am Main und in der Kunsthandlung Alfred Heller in Berlin aus. Bei einer Mitgliederversammlung der "Freien Secession" in Berlin lernte Emy Roeder Käthe Kollwitz kennen. Zum Freundeskreis des Bildhauerehepaares gehörten Rudolf Belling, Philipp Harth, der Maler Willi Robert Huth, seine Ehefrau, die Hoetger-Schülerin Martel Schwichtenberg und Karl Schmidt-Rottluff, mit dem Emy Roeder 1920 Bekanntschaft schloss. 1922 folgte einer Einzelausstellung in der Berliner Galerie Goldschmidt & Wallerstein.

1927-28
Emy Roeder trat 1927 dem 1867 gegründeten Verein der Berliner Künstlerinnen bei und nahm von 1927 bis 1930 regelmäßig an deren Ausstellungen teil. Aktives Mitglied im Verein war auch die Bildhauerin Milly Steger. 1927 stellten Roeder und Garbe gemeinsam in der Galerie Ferdinand Möller in Berlin aus.

1929-32
Zusammen mit dem Bildhauer Hermann Blumenthal erhielt Emy Roder 1929 den Preis der Stadt Köln für Bildhauerei. Während eines Aufenthalts in der Bretagne 1929/30 entstanden großformatige Bildnisse der bretonischen Landbevölkerung. 1930/31 lernte sie die Malerin Hanna Bekker vom Rath kennen, mit der sie eine lebenslange Freundschaft verband. 1931 schloss sich ein Paris-Aufenthalt an und die Nationalgalerie Berlin erwarb von der Künstlerin die 1928 entstandene Plastik "Geschwister". Mit Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Otto Dix und anderen Künstlern nahm Emy Roeder1931/32 mit der Plastik "Die Schwangere" an der Ausstellung "Frauen in Not" teil, die sich gegen den deutschen Abtreibungs-Paragraphen 218 wandte.

1933-35
Am 11. Juni 1935 wurde Emy Roeder in den Fachverband "Bund deutscher Bildhauer" aufgenommen, wodurch sie auch die Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste erwarb. Im gleichen Jahr ließen sich Emy Roeder und Herbert Garbe nach einer kinderlosen Ehe scheiden. Der Kontakt zwischen Garbe und Roeder riss nach 1940/41 ab.

1936-37
Im September 1936 wurde Emy Roeder zusammen mit dem Maler Artur Degener mit dem Villa-Romana-Preis ausgezeichnet. Er sicherte sich einen einjährigen freien Aufenthalt mit Atelier in der Villa Romana zu. Hans Purmann führte seit 1935 die Villa, die eine Stiftung des Deutschen Künstlerbundes war. Emy Roeder kannte den Maler und seine Ehefrau, die Malerin Mathilde Vollmüller, bereits aus Berlin. In Florenz vertriefte sich ihre Freundschaft. Unter Purrmanns Leitung wurde die Villa Romana während des Nationalsozialismus` zu einem Ort der Emigration. Mit dem Ehepaar Karl und Emy Schmidt-Rottluff, das wiederholt in Rumbke/Ostpommern weilte, traf sie in Danzig zusammen. Nach Ablauf ihres Stipendiums und der Ablehnung ihrer Bewerbung für ein sich anschließendes Stipendium in der Villa Massimo in Rom verlängerte sich ihr Aufenthalt in der Villa Romana Jahr für Jahr. 1937 lernte sie den Kunsthistoriker Herbert Siebenhüner kennen, der sich in Florenz als Stipendiat der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaften aufhielt und später als Assistent, dann Leiter am Deutschen Kunsthistorischen Institut in Florenz tätig war. Mit ihm und seiner Frau teilte sie sich in Florenz die Wohnung. Neue Freundschaften und Bekanntschaften knüpfte sie mit Künstlern, die aus Deutschland emigriert waren. Darunter waren Maler und Zeichner Heinz Battke und der Maler Rudolf Levy (1875-1944/45). Auch einen alten Bekannten aus Berliner Tagen traf sie in Florenz wieder: der Kunsthändler Victor Wallerstein. In einer an der Porta Romana gelegenen Werkstatt entdeckte sie den Bronzeguss im Wachsausschmelzverfahren und erlernte diese Technik beim Gussmeister Beazzi. Es entstanden u.a. das Bildnis einer jungen Florentinerin, 1937, die Figuren der Badenden, die Junge Korbträgerin, 1940 und die beiden Bronzen Mutter und Kind, 1939 und 1943. 1937 wurde ihre Terrakottaplastik "Die Schwangere" in der Kunsthalle Karlsruhe beschlagnahmt und in der die Moderne diskriminierenden NS-Ausstellung "Entartete Kunst" in München gezeigt. Seitdem ist sie verschollen. Bis auf Philipp Harth und Otto Herbig wurden auch alle anderen Freunde Roeders in dieser Ausstellung diskreditiert und in Wilrichs Pamphlet "Die Säuberung des Kunsttempels" von 1937 verunglimpft. In Folge wurden Arbeiten von ihr aus der Mannheimer Ausstellung "Junge Deutsche Bildhauer" vorzeitig zurückgezogen, doch wurden nicht alle Arbeiten mit einem Ausstellungsverbot belegt, sondern nur fünf Radierungen. Bis 1940 blieb Emy Roeder Mitglied in der Reichskammer der bildenden Künste, Berlin. Erst am 29.Juni 1940 wurde ihre Mitgliedschaft gelöscht, da sie - laut offizieller Begründung - ihren ständigen Wohnsitz in das Ausland verlegt hatte. 1940 nahm Bruno E.Werner Roeders Badende in seinem Buch " Die Deutsche Plastik der Gegenwart" auf. In dieser Übersicht wurde sie als Gattin Herbert Garbes vorgestellt, die in den Letzten Jahren in Florenz arbeiten würde.

1941-44
Unterstützt von Herbert Siebenhüner stellte Emy Roeder vom 3. bis 18. März 1941 Bronzen aus den Jahren von 1931 bis 1940 in der Galerie "Saletta al Ponte S.Trinita`" in Florenz aus. Diese erste und während ihres Aufenthaltes einzige Ausstellung in Italien war für sie, wie sie Schmidt-Rottluff berichtete, recht erfolgreich. Es sei sogar zu Verkäufen gekommen. Anders als Gerhard Marcks, der wie andere in Deutschland verbliebene Bildhauer nicht mehr genießen konnte, arbeitete sie trotz ihrer angespannten finanziellen Situation weiter an Bronzegüssen. Wie sie Otto Herbig 1942 berichtete, wurden einige "vergossen". 1943 wurde der jüdische Maler Rudolf Levy, der zum Freundeskreis Roeders gehörte, in Florenz von der SS verhaftet und in Ausschwitz ermordet. Im Frühjahr 1943, während des Zweiten Weltkrieges, plante sie von Florenz aus noch eine Reise nach Ostpreußen, die sie auch über Berlin führen sollte, wo sie 1943 wieder gemeldet war. Frühere Arbeiten in ihrem Berliner Atelier wurden 1943 bei einem Fliegerangriff zerstört.

1944-45
Nach der Besatzung Italiens durch die Alliierten wurde Emy Roeder 1944 in einem Lager bei Padula (Provinz Salerno) interniert. Während ihrer Internierung war Emy Roeder als Aufseherin in den Duschräum en des Lagers tätig. In unbemerkten Augenblicken hielt sie die duschenden Mädchen und Frauen in Skizzen fest. Modellieren war ihr verboten. Hans Purrmann setzte seine Verbindungen ein, um Emy Roeder aus dem Internierungslager zu befreien. Schließlich gelang dies dem Kunsthistoriker und Byzantinisten Fritz Vollbach, der in Rom an den vatikanischen Museen tätig war. Er kannte Roeder bereits aus Berlin aus dem Kreis Purrmann. Nach zwölfmonatiger Internierung holte er sie 1945 nach Rom, wo sie bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland 1949/1950 blieb.

1948-50
Karl Schmidt-Rottluff und Hans Purrmann drängten Emy Roeder bereits 1948 in ihren Briefen, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Schmidt-Rottluff hörte sich nach Lehraufträgen um. Auch Fritz Volbach, der als Referent im Kultusministerium Rheinland-Pfalz tätig war und dann zum Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz ernannt wurde, sah sich nach Arbeitsmöglichkeiten für Emy Roeder um. 1948 reiste sie erstmals in das stark kriegszerstörte Mainz, um sich dort die Verhältnisse genauer anzusehen. Im Sommer 1949 kehrte sie nach Deutschlang zurück. Die Stadt Mainz stellte ihr ein Atelier im Stadthaus am Pulverturm zur Verfügung und sie bezog am 14.Februar 1950 eine Wohnung in der Raimundistraße 2. Ein Lehrauftrag für Zeichnung und Bildhauerei an der Landeskunstschule in Mainz sicherte zunächst ihren Lebensunterhalt. Schüler von Emy Roeder waren während ihrer Lehrtätigkeit u.a. Egon Aldorf, Eva Brückner, Ulrich Conrad, Ursula Enseleit, Walter Naß, Johannes Metten, Reinhold Petermann, Rudi Scheuermann, Luzia Schmitt und Hilmar Staude. Nach der Aufgabe der Lehrverpflichtungen 1953 lebte sie ausschließlich von ihren künstlerischen Arbeiten. Unterstützung erhielt sie von Hilmar Staude, der 1953 ihr persönlicher Assistent wurde.

1949-53
unmittelbar nach ihrer Rückkehr trat Emy Roeder der 1945/1946 gegründeten Pfälzer Seccession bei, der auch Hans Purrmann als Ehrenvorsitzender angehörte. 1950 wurde sie Mitglied in der "Gesellschaft für bildende Kunst" in Mainz und des in Berlin wieder gegründeten "Deutschen Künstlerbundes, der 1936 von den Nationalsozialisten aufgelöst worden war. Ein Jahr später, 1951, schloss sie der nach 1945 neu gegründeten "Neuen Darmstädter Seccion" an, der auch Heinz Blattke angehörte. Unterstützt von Herbert Siebenhüner fand 1950 in Bonn die erste Einzelausstellung Emy Roeders nach 1945 statt. 1950 begann Emy Roeder mit dem Bildnis Hans Purrmann. Sie nahm mit dieser Büste und den Plastiken "Die Blinde und Campagnische Bergziegen" an der ersten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin nach 1945 teil. Mit ihr stellten die alten Freunde Purrmann, Heckel, Kaus und Schmidt-Rottluff aus. Eine Reise führte sie nach Paris, im Sommer besuchte sie Erich und Siddi Heckel in Hemmenhofen am Bodensee. Ein Bandscheibenleiden erforderte 1951 und 1953 Kuraufenthalte in Bad Orb und Bad Krotzingen. Eine Reise führte sie 1952 nach Frankreich. Im März 1953 nahm Emy Roeder, die 1952 Mitglied in der "Vereinigung der Kunstschaffenden Unterfrakens" wurde, den Kunstpreis der Stadt Berlin entgegen. Ca. 1950/1951, unmittelbar nach den ersten Ausstellungen, folgten erste öffentliche Aufträge. Den Anfang machten 1950/1951 die Gedenktafel für Ernst Leitz und das Bronze-Relief "Lysistrata". Es folgten 1954 Aufträge der Universität Gießen für die Büsten von Justus Liebig und Landgraf Ludwig V. 1955/1956 nahm sie mit Max Bill, Herbert Volwahsen und Wilhelm Loth am Ideenwettbewerb für das Georg-Büchner-Denkmal in Darmstadt teil, wobei Emy Roeder einen "Jugendlichen, hochstrebenden Genius" darstellen wollte. In den Jahren von 1953 bis 1956/1957 arbeitete sie am Kopf von Schmidt-Rottluff, von dem letztlich vier Varianten entstanden.

1954-57
1954 weilte sie als Gast der Villa Massimo in Rom. Ein Abstecher auf einer Italienreise führte sie auch nach Jugoslawien. Am 30.Januar 1955 wurde Emy Roeders 65. Geburtstag im Auditorium Maximum der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz festlich begangen. Im gleichen Jahr, 1955, nahm sie an der Documenta I in Kassel mit den drei Plastiken "Bildnis Hans Purrmann, Die Blinde und die Schwangere" teil. Emy Roeder erkrankte. Zur Genesung kam sie zunächst in ein Krankenhaus nach Limburg und wurde dann wegen Kopfschmerzen in eine Nervenklinik nach Gießen verlegt. Anschließend begab sie sich zur Kur nach Bad Orb. Im September reiste sie nach Castel S.Pietro, dann weiter nach Ischia, wo sie Hans Purrmann trag und schließlich nach Rom. Dort begab sie sich wieder in ärztliche Behandlung. Am 16.April 1956 bezog sie in Mainz eine neue Wohnung Am Gautor 1. 1957 baute sie sich im Haus ihres Bruders Ludwig in Kolbermoor, in unmittelbarer Nähe von Bad Aibling, eine Wohnung mit Arbeitsmöglichkeiten aus - sie wurde ihr viel geliebtes Sommeratelier. Ostern verbrachte sie mit den Schmidt-Rottluffs und Hanna Bekker vom Rath im "Blauen Haus" in Hofheim am Taunus. Eine Reise führte sie 1957 und auch 1958 nach Ischia. Der Auftrag des Senats Berlin, ein Bildnis der Wissenschaftlerin Lise Meitner (1878-1968) für das Hahn-Meitner Forschungsinstitut zu schaffen, führte Emy Roeder ein Jahr später, 1959, nach Stockholm. Dort saß ihr die Atomphysikerin im Privathaus Modell. 1959 reiste Emy Roeder erstmals nach Tripoli in Nordafrika, wo sie nach lebenden Modellen zeichnete. Anfang 1960 trat sie gemeinsam mit Fritz Vollbach und seiner Frau, der Romanschriftstellerin Vivyan Volbach, eine weitere Reise nach Ägyptenan, auf der sie auch die Hauptstadt Kairo besuchten.

1963-69
1963 legte Friedrich Gerke, Professor für Kunstgeschichte und Ordinarius am Kunsthistorischen Institut in Mainz, die erste und bislang einzige große Werkbiografie über Emy Roeder vor, die noch mit Unterstützung der Bildhauerin entstanden war. Ende 1963, im Todesjahr ihrer Schwester Auguste, erkrankte Emy Roeder schwer. Am Krankenbett wurde ihr im Dezember 1963 - im Auftrag des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Mikat - der Professorentitel verliehen. Ein Jahr später, 1964, wurde sie zum Ehrenmitglied der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf ernannt. 1965 besuchte sie ihr Malerfreund Otto Herbig in Mainz. Am 29.Juli teilte sie der Galerie Vömel in Düsseldorf mit, dass sie vollkommen ausverkauft wäre. In ihrem Sommeratelier arbeitete sie den Schmidt-Rottluff Kopf noch einmal um und fertigte ein Wachsmodell. Ende des Jahres starb ihr Bruder Ludwig in Bad Aibling. 1966 zeichnete ihre Geburtsstadt Würzburg ihr Lebenswerk mit dem Würzburger Kulturpreis aus, "das weltweite Anerkennung gefunden hat, aber dennoch in der Würzburger Tradition wurzelt, hieß es in der Verleihungsurkunde. Nach der Rückkehr von einer Griechenlandreise erfuhr sie, dass der Maler und spätere Galeriegründer Heiner Dikreiter, mit dem sie seit 1930 in Kontakt war und den sie zum Mitverwalter ihres künstlerischen Nachlasses bestimmt hatte, in Würzburg verstorben war. Im April 1967 kehrte sie von einer Reise nach Tunis zurück. Mit Schmidt-Rottluff traf sie in Hofheim im "Blauen Haus" von Hanna Bekker vom Rath zusammen. 1968 erkrankte sie erneut und wurde zur Genesung in ein Sanatorium nach Hofheim gebracht. Danach reiste sie mit Hanna Bekker vom Rath nach Marokko. 1969 wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte Würzburg verliehen. Ein Jahr später, 1970, beging die Stadt Mainz feierlich ihren 80. Geburtstag mit einem Empfang. Ihre Bronzeplastik "Stehende Tripolitanerin" wurde am Stresemann-Ufer in Mainz enthüllt.

1971         
Emy Roeder starb am 7. Februar 1971 in Mainz. Bis kurz vor ihrem Tod arbeitete sie an dem Tonmodell ihrer letzten Plastik, den "Tunesischen Bettlerinnen". Gegossen wurde sie erst 1973 nach ihrem Tod. Ihrem Wunsch entsprechend wurde sie auf dem Würzburger Hauptfriedhof in der Familiengruft der Roeders beigesetzt.